Karin Aschwanden
11.08.2026
Karin Aschwanden, lebt seit 16 Jahren mit Parkinson und stellt sich vor
Im Gespräch mit Karin
Kannst du dich kurz vorstellen?
Ich bin Karin, Mutter von zwei Kindern und selbstständige Coiffeuse. Die ersten Symptome hatte ich mit etwa 40 Jahren, die Diagnose Parkinson erhielt ich drei Jahre später – am 8. Dezember 2013. Zuerst war das für mich sogar eine Erleichterung, weil ich endlich wusste, was mit mir los ist. Der eigentliche Schreck kam erst später, als mir klar wurde: Das geht nicht mehr weg. Mit 49 Jahren erhielt ich eine Tiefe Hirnstimulation, weil die sogenannten On- und Off-Phasen immer kürzer wurden.
Was gibt dir im Alltag besonders viel Kraft?
Stand-up-Paddeln tut mir unglaublich gut. Oft fühle ich mich danach für etwa zwei Tage bewegungstechnisch deutlich besser. Auch Pingpong macht mir grossen Spass. Die „Pingpong-Parkis“ sind ein ganz besonderes Völkchen – im allerbesten Sinn. Bei Turnieren verbringen wir viel Zeit miteinander: Wir reden, fiebern mit oder „laveren e chli“. Diese Gemeinschaft bedeutet mir sehr viel.
Welche Rolle spielt Kreativität in deinem Leben?
Malen ist im Moment wegen meiner Feinmotorik schwierig geworden. Trotzdem bin ich gerne handwerklich kreativ und versuche, so viel wie möglich zu gestalten. Am liebsten male ich mit grossem Pinsel auf grosser Leinwand – und besonders gerne mit viel Blau. Der Himmel und das Meer sind blau, deshalb sind sie auch meine liebsten Vorlagen.
Was ist dir heute wichtiger als vor der Diagnose?
Nichts mehr aufschieben. Ich geniesse jeden Tag in vollen Zügen, freue mich über kleine Dinge und versuche, im Hier und Jetzt zu leben. Gestern ist vorbei, und morgen sehe ich dann morgen. Ein gutes Gespräch, jemandem eine Freude machen, gemeinsam lachen, den Wind auf der Haut spüren, Sommerregen erleben, den Duft von dampfendem Asphalt wahrnehmen oder eine Blume sehen, die zwischen Gehsteig und Strasse wächst – all das ist für mich heute unglaublich wertvoll.
Welche Vorurteile begegnen dir häufig?
Sehr oft höre ich: „Man sieht dir ja gar nichts an“, „Das bricht doch erst im Alter aus“, „Ein bisschen Zittern ist doch nicht so schlimm“, „Du machst aus einer Mücke einen Elefanten“, „Hat sie überhaupt Parkinson?“
Solche Aussagen zeigen, wie wenig viele Menschen über Parkinson wissen – besonders über die Formen, die man nicht sofort sieht.
Welche Botschaft möchtest du anderen Betroffenen mitgeben?
Geht von Anfang an zu einer Neurologin oder einem Neurologen, die oder der auf Parkinson spezialisiert ist. Spürt euren Körper, hört auf ihn und sprecht offen mit eurem Arzt darüber, wie es euch wirklich geht. Und vor allem: Lasst euch nicht unterkriegen. Ich lebe nun seit 16 Jahren mit Parkinson – und für mich ist jeder Tag ein Geschenk.
